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Städtepartnerschaft zwischen der polnischen
Stadt Siemiatycze und der Stadt Zehdenick |
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Die Stadt Siemiatycze ist Mitglied im polnischen Gemeindeverband
Podlasie, zu dem der Landkreis Oberhavel partnerschaftliche Beziehungen
pflegt. Das Amt Gransee und Gemeinden hat eine Partnerschaft zu
den ländlichen Gemeinden der Stadt Siemiatycze aufgebaut. Unter
Berücksichtigung der derzeitigen Bemühungen zum Aufbau
des Mittelzentrums in Funktionsteilung Gransee- Zehdenick lag es
nahe, dass Zehdenick mit der Stadt Siemiatycze eine Partnerschaft
anstrebt, um daraus in enger Zusammenarbeit mit den genannten Partnern
die gegenseitigen Kontakte in allen Bereichen des gesellschaftlichen
Lebens zu entwickeln und dauerhafte Beziehungen aufzubauen.
Im Rahmen des Besuches einer Delegation aus Siemiatycze erfolgte
am 10.03.2007 in Zehdenick die Vertragsunterzeichnung.
Beide Städte vereinbarten ihre Zusammenarbeit durch einen
regen Gedanken- und Erfahrungsaustausch besonders auf den Gebieten:
- Aufbau der kommunalen Verwaltungsstruktur
- Wirtschaftsförderung
- Landschaftsplanung und Umweltschutz
- Gesundheit und Sozialfürsorge
- Kultur, Sport, Tourismus
Die Zusammenarbeit wird praktisch umgesetzt durch:
- gemeinsame Verwaltungskontakte
- Kinder- und Schuljugendaustausch
- Aufbau eines Unternehmernetzwerkes
- individuelle Kontakte zwischen den Bürgern beider Städte
- Treffen der Repräsentanten beider Stadtparlamente
Die Stadt Siemiatycze
Die Stadt Siemiatycze mit ihren 16. 000 Einwohner liegt in der
Wojwodschaft Podlaskie im nordöstlichen Teil Polens, in der
Nähe der Grenze zu Weißrussland. Dieses ökologisch
intakte Gebiet wird auch die „grüne Lunge Polens“
genannt. Es ist eines der wichtigsten Kreisverwaltungszentren in
der Region Podlaskie. Die Stadt zeichnet sich durch Ästhetik
und Ordnung aus.
Von Siemiatycze ist es nicht weit zu dem landschaftlich sehr reizvollen
Nationalpark und Wisentreservat "Bialowieza", zum Freilichtmuseum
und Museum der Landwirtschaft in Ciechanowiec, nach Drohiczyn (Burgberg,
barocke Dreifaltigkeitskathedrale) oder nach Grabarka (heiliger
Berg Grabarka und Kloster – Ort eines Wunders und das wichtigste
orthodoxe Sanktuarium in Polen).
8Bildergalerie
Siemiatycze
Siemiatycze - Geschichte der Stadt
Die Geschichte der Stadt reicht bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts
zurück und ist untrennbar mit der Geschichte der Magnatenfamilien
verbunden, in deren Händen die Güter von Siemiatycze waren.
Das Stadtrecht wurde 1542 vom König Zygmunt August (Sigismund
Augustus) verliehen. Es wurde gestattet, Jahrmärkte und Handelsmessen
zu organisieren. Diese Tradition hat sich bis zum heutigen Tag erhalten.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in den Zeiten
der Magnatenoligarchie, wurden die Güter von Siemiatycze vergrößert.
Landwirtschaft war die Haupttätigkeit der Stadtbewohner.
Es gab auch zahlreiche Kaufleute. Die Entwicklung des Handels war
dank der guten Lage zum Landstraßennetz und den Häfen
in Mielnik und Drohiczyn möglich.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde Siemiatycze
zu einem wichtigen Messeort und gehörte in der Woiwodschaft
Podlaskie zu der Kategorie der mittleren Städte.
Die Kriege in der Mitte des 17. Jahrhunderts störten diese
erfolgreiche Entwicklung nicht. Der Niedergang der Produktion und
des Handels in den bis dahin führenden Nachbarstädten
Mielnik und Drohiczyn begünstigte die Entwicklung von Siemiatycze.
Um die Rentabilität der Güter zu erhöhen, begannen
die Landbesitzer mit der Ansiedlung von Juden im Stadtgebiet. Die
von ihnen gegründete Selbstverwaltungs- und Kultusgemeinde
entwickelte sich mit der Zeit zu einer der größten jüdischen
Gemeinden in der Region Podlasie.
In den Jahren 1710 und 1711 wurde die Einwohnerzahl durch eine
Choleraepidemie dezimiert. Nach der Überlieferung blieben nur
die am Leben, die in der nahe gelegenen orthodoxen Kirche in Grabarka
Zuflucht fanden. Zurzeit ist es das wichtigste orthodoxe Sanktuarium
im polnischen Gebiet.
Für die Geschichte der Stadt war das 18. Jahrhundert besonders
wichtig. Die Einwohnerzahl vergrößerte sich, es entstanden
zahlreiche Handwerkerwerkstätten. Die Handelsumsätze auf
den örtlichen Jahrmärkten und Messen stiegen. Siemiatycze
gehörte in jenem Jahrhundert zu den wirtschaftlich am besten
entwickelten Städten von Podlasie. Diese Entwicklung verdankte
die Stadt den ehemaligen Besitzern aus dem Geschlecht Sapieha. Unter
ihnen zeichneten sich besonders Michal Sapieha und die Fürstin
Anna Jablonowska aus dem Geschlecht Sapieha aus. In dieser Zeit
entstanden u.a. der Klosterkomplex der Missionäre, das Rathaus,
das Krankenhaus, die Hebammenschule, die jüdische Synagoge,
die evangelische Kirche, die Druckerei und das Schloss, das zahlreiche
Natur-, geologische und historische Sammlungen beherbergte. Diese
Sammlungen waren ein wesentlicher Anziehungsfaktor für Gäste
aus dem In- und Ausland. Leider kann man heute nur einen Teil dieser
Bauten noch bewundern, wie z. B. den Klosterkomplex und die Sphinxstatuen
am ehemaligen Schlosstor.
Die Blütezeit von Siemiatycze wurde durch den Zerfall der
Güter von Anna Jablonowska infolge großer Verschuldung
und Insolvenz und durch den Tod der Fürstin beendet. Ihre Güter
wurden zum Verkauf angeboten.
In der Zeit der Teilungen (1792-1918) hörte die Stadt auf,
die Funktion einer Magnatenresidenz zu erfüllen. 1807 wurde
Siemiatycze dem Russischen Kaisertum einverleibt. Die sozial- wirtschaftliche
Entwicklung lag nicht im Interesse des Besatzers. Der beachtliche
Teil der Einwohner beschäftigte sich mit Landwirtschaft. Im
Laufe der Zeit änderte sich die nationale und konfessionelle
Zusammensetzung, die jüdische und orthodoxe Bevölkerung
nahmen zu. Die aufgenommenen Russifizierungsversuche und die Einführung
der neuen Gesetzgebung stießen bei einem Teil der Bevölkerung
auf Widerstand. Am 6. und 7. Februar 1863 wurde in Siemiatycze eine
der größten Schlachten im Januaraufstand ausgetragen.
Die Truppen der Aufständischen erlitten in den Kämpfen
gegen die russische Armee eine Niederlage. Dabei wurde ein großer
Teil der Stadt zerstört, darunter auch das Schloss von Anna
Jablonowska, das später nie wieder aufgebaut wurde.
Die folgenden Jahre waren für einen schnellen Wiederaufbau
des Wirtschaftspotenzials der Stadt nicht günstig. Eine gewisse
Wirtschaftsbelebung erfolgte Ende des 19. Jahrhunderts. Es entwickelte
sich die Textilindustrie. Im Betrieb waren Ziegeleien, Kachelfabriken,
Brauereien, Brennereien, eine Tabakfabrik, Mühlen, Lederwerkstätten,
Schmieden und eine Kupfer- und Messingfabrik. Der Großteil
des Handwerks und des Handels befand sich in den Händen der
jüdischen Bevölkerung, die Ende des 19.Jahrhunderts über
75% ausmachte.
Die Jahre des Ersten und Zweiten Weltkrieges verschonten die Stadt
nicht. Die Bebauung wurde zu 25% zerstört. Das zerstörte
Rathaus wurde nie wieder aufgebaut. Die Kriegshandlungen brachten
der Stadt auch beträchtliche Menschenverluste. Fast die ganze
jüdische Bevölkerung wurde vernichtet. Nach Beendigung
des Zweiten Weltkriegs und Rückkehr vieler Bewohner betrug
die Einwohnerzahl etwa 4000.
Die Zeit der Stagnation in der Stadtentwicklung dauerte bis 1952.
Die Gründung des Kreises mit Sitz in Siemiatycze wirkte sich
positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Dieser Prozess
dauerte bis zur Auflösung der Kreise im Jahre 1975 an. Der
Kreis Siemiatycze wurde im Jahre 1999 reaktiviert.
Heute ist Siemiatycze eines der wichtigsten Kreisverwaltungszentren
in der Region Podlasie und erhebt den Anspruch, ein lokales Entwicklungszentrum
zu sein.
Sehenswürdigkeiten in Siemiatycze
In der 500-jährigen Geschichte der Stadt wurden viele interessante,
weltliche und sakrale Bauten und Objekte mit hohem Kulturwert errichtet,
wie
- die Kirche Maria Himmelfahrt mit dem aus der Wende des 14. und
15. Jahrhunderts
datierten Kruzifix, dem ältesten beweglichen Denkmal im Stadtgebiet
- der Klosterkomplex aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts,
- die Synagoge aus dem Ende des 18.Jahrhunderts – zurzeit
eine Galerie,
- die evangelische Kapelle aus der Wende des 18. und 19. Jahrhunderts,
- die hölzerne Kapelle der heiligen Anna - 19.Jahrhundert,
- die orthodoxe Kirche aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts,
- Sphinxe am ehemaligen Einfahrtstor zum Schloss von Anna Jablonowska.
Wirtschaft
In der Stadt sind etwa 1.000 Unternehmen tätig. Die Bereiche
Handel und Dienstleistungen, Holz-, Obst-, Gemüse- und Milchverarbeitung
haben sich gut entwickelt, ebenso die technische Infrastruktur.
Mit dem Wasserleitungsnetz werden über 80% der Bevölkerung
versorgt. An das Abwassernetz sind über 50% der Bevölkerung
angeschlossen. Jeder Haushalt verfügt über ein Telefon,
mit Gas werden 45% der Haushalte versorgt.
Die Investitionspolitik begünstigt die Entwicklung der Unternehmertätigkeit
in der Stadt.
Bildung
Die Stadt verfügt über 3 Kindergärten, 3 Grundschulen,
darunter eine Förderschule, 3 Gymnasien, 3 weiterführende
Schulen ( allgemeinbildendes Lyzeum, Berufsschule, Lyzeum für
Erwachsene) und die Hochschule – Nadbuzanska Szkola Wyzsza.
(Hinweis: Das polnische Gymnasium dauert nur 3 Jahre.)
Musikalisch ausgebildet werden Kinder und Jugendliche in der gesellschaftlichen
Musikschule ersten Grades.
Freizeit
Sport – Das städtische Zentrum für Sport und Erholung
verfügt über eine Sport- und Erholungsbasis, das heißt
über ein Freibad, 3 Stauseen, Tennisplätze, Sportplätze,
Strand mit Beach-Volleyballanlage und Verleih für Wassersportgeräte.
Es steht auch Fußball- und Leichtathletikgruppen zur Verfügung.
Besonders aktive Sportklubs sind: der städtische Sportklub
Cresovia (Fußball), Sportgesellschaft (Handball), Motorklub
und die Schulsportklubs „Lider“, „Kangur“,
„Danex“ und „Zak“.
Siemiatycze ist ein wichtiges Zentrum für Motorsport. Jedes
Jahr finden hier einige Veranstaltungen statt, darunter die polnische
Meisterschaft im ENDURO- Rennen, gesamtpolnisches Treffen für
Motorräder und Motorfahrräder „Motoriada“
und Polenmeisterschaft im Country Cross.
Kultur – In Siemiatycze gibt es zwei Kultureinrichtungen,
das Kulturzentrum von Siemiatycze und die öffentliche Bibliothek.
Das Kulturzentrum organisiert Kultur- und Marketingveranstaltungen,
darunter das gesamtpolnische Turnier für Polnische Tänze
„Um den Zapfen von Podlasie“, eine Blasorchesterschau,
eine Schau für religiöse Lieder, das Siemiatycze-Blues-Festival
und die Sommerveranstaltungen, z. B. die Tage von Siemiatycze und
andere.
Im Kulturzentrum wirken u.a. das Gesang- und Tanzensemble „Male
Podlasie“, Kunstarbeitsgemeinschaften, ein Sportbridgeklub,
der Seniorenklub „Herbst“ und ein Schachklub.
Die Liebhaber von Siemiatycze sind in der Gesellschaft der "Freunde
von Siemiatycze" vereinigt.
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